Sonntag, 23. Oktober 2016

Mr. Snick als Farmer


Hallo Fritzi,
beim letzten Mal habe ich dir vom Beginn meiner Australien-Reise von Cairns bis nach Brisbane berichtet. Heute kann ich dir viele neue Geschichten erzählen, denn in den letzten vier Wochen habe ich das wahre Country-Leben Australiens kennengelernt. Als Woofer, also als freiwillige Arbeitskraft auf einer Farm in der Nähe von Beaudesert, südlich von Brisbane, konnte ich in alle Bereiche des Farmalltages reinschnuppern und tatkräftig mit anpacken. Hier siehst DU das Strandhaus des Farminhabers:
Shamrockvalefarms (übersetzt Kleeblatt-Talfarm) ist eine 1600 Hektar große Farm, die sich hauptsächlich mit der Rinderzucht, dem Getreideanbau und dem Pferdesport beschäftigt. 
Am ersten Tag wurde ich direkt gefordert. Im australischen Frühling werden mit Absicht Buschfeuer gelegt. Du hast richtig gelesen. Die Farmer legen selbst Feuer auf ihren Feldern und das mit gutem Grund. Selbst gelegte Buschfeuer werden in bestimmte Richtungen gelenkt, um sie unter Kontrolle zu halten. Hier war meine Wenigkeit gefragt. Ich wurde in die Bedienung des Traktors eingewiesen und sollte nun Erde aufhäufen, damit sich die Flammen nicht weiter ausbreiten können. Während ein etwa 200 Fußballfelder großes Feuer für Australier scheinbar zum Sommeranfang dazu gehört, habe ich mich, teilweise von Flammen umzingelt, nicht ganz so wohl gefühlt. Nachdem mir die Farmer erklärt haben, dass diese kontrollierten Buschfeuer das alte und trockene Gras in nährstoffreiche Asche für neue und grüne Pflanzen verwandeln und so das Risiko eines unkontrollierten Buschbrandes deutlich gesenkt wird, konnte auch ich mich mit dem Feuer anfreunden. Der Tag fing um sieben Uhr in der Früh an und bis das Feuer einigermaßen heruntergebrannt war, vergingen einige Stunden im Qualm. Erst nach vier Tagen war kein Rauch mehr zu sehen und das Feuer komplett erloschen. Mit Stolz kann ich nun sagen, dass ich am ersten Tag einen großen Teil der Farm abgebrannt habe. *zwinker*.....Auf dem Foto siehst du einen kleinen Ausschnitt der abgebrannten Fläche. Ganz hinten in der Mitte!
Wenn wir nicht gerade Feuer legen, fängt der Tag morgens mit Hühner aus dem Stall lassen und füttern an. Eier einsammeln nicht vergessen. 
Danach sind die Pferde an der Reihe, die ebenfalls bereits hungrig sind. 
Auch die Rinder wollen gefüttert werden und dafür geht es mit dem Traktor auf die Weide!
Wenn die Tiere alle versorgt sind, muss der Obst- und Gemüsegarten  kontrolliert - und die Sprinkler-Anlage angestellt werden. Denn die Pflege der Gemüsepflanzen fällt allein in meine Verantwortung und dieser stelle ich mich gerne. 
Meist beginne ich bei den ZucchiniPflanzen, die hier sehr, sehr schnell wachsen!
Weiter geht es bei den Erdbeeren!
Zwischendruch gönne ich mir leckeres Obst und lasse es mir im Schatten des Obstbaumes gut gehen:
Wenn ich so unterwegs bin kommt ab und an "Mary" die Ente  vorbei um mit mir fangen zu spielen:
Das ist immer eine lustige Abwechselung! Aber viel Zeit bleibt nicht - und es ist auch noch viel zu heiß um rumzutoben!
Schau mal! Diese kleinen Wassermelonen warten noch darauf eingepflanzt zu werden:
Allerdings müssen sich die Arbeiter zuvor um die Hasenabwehr kümmern; damit die flinken Gesellen nicht direkt alles wieder ausbuddeln und auffuttern.
Nach dieser Routinearbeit kommen alle Farmarbeiter zusammen und die Aufgaben des Tages werden verteilt. Natürlich haben sich die Farmer auf bestimmte Bereiche spezialisiert – für uns Freiwillige, die überall aushelfen, begann jeder Tag mit einer Überraschung. 
Unkraut zupfen und die Beete im großen Garten pflegen, ist eine Daueraufgabe ohne Ende. Genauso wie Rasenmähen. Wichtig ist dabei, immer mit dem Schatten zu arbeiten, denn Unkraut zupfen in der australischen Mittagssonne kann sehr, sehr warm werden. 
Der Garten ist ebenso ein Zuhause für viele, viele Honigbienen. 
Denen konnte ich mich nur im „Astronautenoutfit“ nähern und musste trotzdem ein paar Stiche durch meine Handschuhe verkraften. Denn wie bei Hunden, gibt es auch bei Bienen verschiedene Rassen und die Bienen der Farm zählen zur  leicht reizbaren Sorte. Die fleißigen Bienen produzieren Honig, der wegen der unterschiedlichen Vegetation anders schmeckt als in Deutschland. Ich kann bestätigen, dass mir auch der australische Honig super schmeckt. Danke, Bienchen!
Wenn wir zu den „yards“ gerufen wurden, dann hieß es: Auf geht’s zur Rinderarbeit! Die Arbeit mit den großen, aber schreckhaften Wiederkäuern ist bei den meisten Woofern total beliebt. Rinder werden mit Quads, 
Pferden und Hunden auf neue Wiesen oder zu den „yards“ getrieben. 
Es ist unglaublich wie schlau und fleißig die Australian Cattle Dogs (Hunde)  sind. Instinktiv wissen sie wie sie die Herde zusammenhalten und welches Rind sie stärker treiben müssen. Die Arbeit war jedes Mal beeindruckend und lehrreich. Obwohl die Rinder so viel größer und schwerer sind, ist es extrem wichtig an der richtigen Stelle mit passendem Elan auf sie zuzugehen. Denn Rinder sind Fluchttiere und versuchen im Schutz der Herde der Gefahr zu entfliehen. In den „yards“ - kleinen abgesperrten Bereichen - können die Rinder gezählt, gewogen und mit Ohrmarken versehen werden. Die bunten Ohrmarken im linken Ohr kennzeichnen das Rind optisch und mit der elektronischen Ohrmarke im rechten Ohr kann jedem Rind eine Nummer im System am PC zugeordnet werden. Diese Ohrmarken müssen beim Kauf neuer Rinder gewechselt bzw. die Nummern im System geändert werden, damit die Regierung weiß, welchem Halter welche Rinder gehören. Die Farm kann sich jedes Jahr auch über eine große Anzahl an Kälbern freuen, welche mit der richtigen Technik gefangen werden, um ihren persönlichen Ohrschmuck zu erhalten. Kälber fangen war für uns Woofer zunächst schwierig und für die Farmer lustig zu beobachten. Damit die Rinder ebenfalls glücklich sind, habe ich mit dem Traktor Heuballen auf den Anhänger geladen und auf den Weiden wieder abgeladen und verteilt. Auf dem Foto siehst du wie sehr sich die Kuh über einen frischen Heuballen freut.

Neben der Arbeit wurde mir auch das Country-Leben abseits der Farm näher gebracht. Ich habe sogar etwas Geld beim Pferderennen in Beaudesert verloren. 
Es ist nunmal nicht immer schlau, auf die schönen Pferde mit den interessantesten Namen wie Highway Queen zu setzen. Wichtiger ist es auf niedrige Quoten zu achten. Denn je kleiner die Quote, desto wahrscheinlicher ist ein Sieg. Auf einem Rodeo war ich ebenfalls. Leider ohne Cowboy-Hut, Cowboy-Stiefel und Hemd, wodurch ich in der Masse wohl aufgefallen bin. Jetzt weiß ich, dass es beim Rodeo viel mehr gibt als mutige Männer auf wilden Bullen. Zum einen gibt es unterschiedliche Alters- und Gewichtsklassen beim Bullenreiten und zum anderen gibt es noch unterschiedliche Kategorien - zum Beispiel einen Jungbullen mit einem Seil vom Pferd aus fangen oder auf buckelnden Pferden reiten. 
Aber auch auf der Farm waren genügend Freizeitmöglichkeiten vorhanden.  
Du weißt ja wie gerne ich klettere! Und neben den Obstbäumen gibt es eine Menge Möglichkeiten! Vom Bau des neuen Bürogebäudes stehen so allerhand Gerüste herum - und wenn ich ganz oben ankomme, habe ich eine richtig tolle Aussicht!
Aber letztens bin ich auf eine Palme geklettert. - du glaubst gar nicht wie ICH mich erschrocken habe!! Schau mal, wer mich da begrüßt hat:
Eine richtig große Spinne! 
Ansonsten kann man prima  Hühner, Gänse und Enten beobachten, während man gemütlich in der Sonne sitzt.

Guck mal! Hier hat sich ein lustiges Paar gefunden. Huhn und Gans brüten gemeinsam im Blumentopf. 
Die Farm besitzt drei große Teiche, an denen ich leider ohne Erfolg angeln war und auf denen ich Kajak fahren konnte. 
Den Abend lasse ich dann nach einem erfolgreichen Tag gemütlich am Pavillon ausklingen.  

Direkt an unserer Woofer-Unterkunft steht ein Billardtisch mit Tischtennisplatte zum drauflegen. So manch‘ spannendes Match wurde dort ausgetragen. 
Wie du siehst, gibt es viel zu erleben auf einer Farm in Australien.
Abends mache ich gerne noch einen Spaziergang und genieße die Natur!
Ich habe meinen Aufenthalt hier wirklich genossen und werde noch oft an die Zeit auf dieser Farm mit super netten Leuten und spannenden Geschichten denken. Heute geht es wieder weiter Richtung Süden, um wunderschöne Orte zu entdecken und neue Abenteuer zu erleben.
Bis bald
Dein Snicki

1 Kommentar:

  1. Ich liebe Geschichten aus Australien <3.
    Interessant, dass die Farmer absichtlich Feuer legen - davon hatte ich vorher noch nie gehört/gelesen.
    Freue mich schon auf die Fortsetzung. Vielen Dank, Mr. Snick :-) !

    Liebe Grüße
    Janine

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